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Ich wollt', ich wär' ein Huhn!
Dann könnte ich genau das tun,
was diesem Hin und Her entspricht,
das Geist und Seele mir zerreißt
und sich in meinen Schädel beißt,
von innen in die Stirn mir sticht.

Ich wollt', ich wär' ein Huhn!
Mich brennt's in meinen Reiseschuh'n:
Ich renn' ein kleines Stück nach Osten,
um fressend einen Wurm zu morden,
dann ein paar Schritte stramm nach Norden
um dort ein Weizenkorn zu kosten.

Ich wollt', ich wär' ein Huhn!
Es gäbe keinen Grund zu ruh'n.
Im Westen gibt es Brötchenkrumen!
Ein Krümel, und dann geht's nach Süden.
Ich renne, ohne jemals zu ermüden,
im Kreis herum, zertrete Blumen.

Ich wollt', ich wär' ein Huhn!
Dann könnte ich genau das tun,
was meinem schlichten Geist entspricht:
Nur Handeln, ohne etwas zu entscheiden
(und dann auch noch daran zu leiden!).
Will ich ein Huhn sein? Will ich nicht?









Das Wasser reflektiert das Licht
Und bricht die Strahlen tausendfach.
Und doch ist es nicht wirklich flach,
Denn aus der Oberfläche sticht...
...Von fern wie ein Korsarensegel,
Schwarz, und in der Form triangulär.
Es zappelt etwas hin und her:
Ein Hai, ein rüder Flegel!

Das Wasser schillert helltürkis
Und bricht die Strahlen überall.
Der Jäger nutzt den Ultraschall,
Sein Blick fällt starr und ziemlich fies
Auf einem fetten Zackenbarsch.
Begierde, Mordlust und so weiter
Beflügeln diesen Meeresgleiter:
"Gleich hab' ich dich am Arsch!"

Das Wasser strahlt wie ein Brilliant
Und taucht die Welt in Eleganz.
Der Zackenbarsch steht auf dem Schwanz,
Er hampelt, feixt und sieht's entspannt.
Dem Mörderhai schallt es entgegen:
"Mich kriegst du niemals, Ätsch!
Schwimm dich doch wund!" Und: "Bätsch!
Ich sag dir auch, weswegen!"

Das Wasser wird nun etwas trübe,
Der Hai schlägt mit den Flossen,
Und wie ein Kilo Sommersprossen
Sinkt Sand auf seine Rübe.
Er hört nicht zu - er ist zu dumm!
Der Barsch ist viel gescheiter:
Der weiß, er wohnt ein Häuschen weiter
Im anderen Aquarium!









Beim Abendessen gibt es Zoff:
"Wenn ich dich brauche", sagt sie schroff,
"Bist du nicht da! Bis früh um Vier
Treibst du dich rum! Ich sitze hier..."

"Ich sorge doch für unser Leben!" -
Doch dieser Einwurf geht daneben.
"Du liebst mich nicht mehr!" Und sie hört
Auf gar nichts mehr, was er ihr schwört.

"Ich will nicht mehr, ich hab' genug!
Jetzt ist vorbei der Selbstbetrug!"
Und da die Tränen Rahmen sprengen
Geht sie hinaus, will sich erhängen.

Er ist betrübt, er ist betroffen,
Und obendrein noch leicht besoffen.
Nach einer Weile schaut er nach
Im ehelichen Schlafgemach:

Nicht nur die Frau schwankt dort im Wind,
O nein, hier pendelt auch das Kind!
Nicht lang, dann baumelt er daneben -
So schlafen Fledermäuse eben!









Der Uhu kennt ein Ziel im Leben:
Er möcht' dem Pattex eine kleben!
Doch der entzieht sich, denn er weiß:
"Vereint auf ewig" wär' der Preis!









Am Mittag fragt der braune Spatz
Sein Mädchen, seinen lieben Schatz,
In welchem Gasthof, welcher Schänke
Sie heut' zu speisen denn gedenke.

Vielleicht um's Eck beim Italiener?
Ach, Pizzakrümel! - Nein, viel schöner
Wär heute doch - am Wochenende -
Wenn man was Exklusives fände.

So fliegen sie, das Wetter heiter,
Drei Dutzend Flügelschläge weiter
Zum Promenadencafé Lauenstein
Am blauen See und hauen rein.

Es wird ein fröhlich' Frühlingsfest
Mit Brötchenkrümeln, Kuchenrest
Auf anderwärts gedeckten Tischen -
Frech drängt man sich noch schnell dazwischen.

Nach allerhand der kleinen Bröckchen
Macht man sich wieder auf die Söckchen.
Um sich nun dem Instinkt zu beugen,
Will man noch eifrig Nachwuchs zeugen!









Die bunte Vielfalt dieses Lebens,
Meist zweckerfüllt, doch auch vergebens,
Sie spiegelt sich auch darin wider,
Wie das Getier mit dem Gefieder...

Genau! Die Lerche meine ich,
Den Adler und den Enterich,
Die Finken und die schwarzen Dohlen,
Wie sie sich einen runterholen!

Und wie sie's miteinander treiben,
Ob immer sie zusammenbleiben,
Oder auch in den hohen Buchen
Ständig nach neuen Partnern suchen.

Der Albatros besteigt die Gans
(Glückwunsch, sieht so aus, er kann's),
Und eine gelbe Beutelmeise
(Ein Griff in's Klo, du liebe Scheisse!)

Will unbedingt begattet werden
Von einem Geier und zwei Pferden.
Sei ehrlich: Ist das nicht bekloppt,
Wie jeder da mit jedem poppt,

Das Perlhuhn auf dem Ganter jodelt,
Bis bald im See das Wasser brodelt?
Schau da! Am Ufer dieses Tümpels,
Inmitten Treibguts und Gerümpels,

Hockt er, erregt und aufgeplüstert:
Wie leis' er ihr in's Ohr was flüstert,
Wird aus dem stolzen Haubentaucher
Zur Zeit wohl mehr ein Taubenhaucher.









Im Zoo in Frankfurt an der Leine -
War's doch Hannover? Da am Maine?
Egal, wie's war. Das ist - so mein'
Ich - unerheblich: es kann sein,

So oder so, absolut nichtig.
Was Andres ist mir aber wichtig:
Da gibt's ein Tier, das keiner mag,
Das glaubst du nicht? Wenn ich es sag'!

Ist immer grantig, niemals froh,
Fühlt sich nicht wohl im frischen Stroh,
Genauso wenig in weichen Kissen,
Und wer es streichelt, wird gebissen.

Man hat so viel schon ausprobiert
Doch nichts hat jemals funktioniert,
Es war zufrieden nie zu stellen,
Fing immer wieder nur an zu bellen.

Du hast es nicht gesehen dort,
Du meinst, es ist inzwischen fort?
Vom Main und von der Leine?
Du weisst nicht, was ich meine?

Vielleicht ist es zu dir gekommen,
Und du hast's bei dir aufgenommen!
Schau in dich, vielleicht wohnt's in dir!
Ach ja, es heißt: Das Lamentier.









Der Tintenfisch schreibt niemals mir,
den Grund dafür kennt ja wohl jeder:
Viel Tinte hat er, aber kein Papier,
und außerdem fehlt im die Feder.

In diesem Umstand liegt begründet,
daß er, als Brieffreund nicht zu brauchen,
sich dann auf meinem Teller wiederfindet:
Kann nur noch in der Soße tauchen.

Statt kulturellem Meinungsaustausch
nur Fressen und Gefressenwerden.
Und später dann im Rotweinrausch
krieg' ich doch leichte Darmbeschwerden.

Vielleicht liegt's an dem sauren Wein,
vielleicht auch an den fetten Fritten:
Mir ist's, als - kann das denn wohl sein? -
als würde er mich noch um etwas bitten.

Am nächsten Morgen pack' ich ein Paket:
Ein Schreibblock, DIN A6, liniert,
der grad so in die Landweinflasche geht.
Dazu noch Federn, eigens akquiriert

von ein paar Enten, die hier in der Nähe
an einem Bach manchmal bis abends bleiben.
Den Korken drauf, und ab. Ich sehe
die Flasche um die nachste Biegung treiben.








Es war einmal ein scheues Reh,
das tat mir tierisch weh
am großen Zeh.

Ich wollte doch nur einen Kuss!
Doch kam es, wie es kommen muss,
Sie stampfte mit den Hinterhufen
und sprang dabei auf meine Kufen.

Dann hüpfte sie wie ein kleiner Bock
über die Wiese, über Stein und Stock,
und verschwand schon recht bald...
Na wo schon? Im Großstadtwald.

Ade, scheues Reh!








Im Ozean treibt ein Stück Holz,
von einem kleinen Fischerboot.
Das Fahrzeug war des Fischers Stolz,
doch seit dem Sturme ist er tot.

Dahinter treiben Planken, viere,
und dann noch sieben Spanten,
und nebendran zwei Meerestiere,
die sich bisher nicht kannten.

Das eine ist eine Sägefisch,
das andere ein Hammerhai,
und bald dann, am Verhandlungstisch,
gründet man eine Tischlerei.

Jetzt wird gehämmert und gesägt,
von früh bis in die Nacht hinein,
was bald doch Ärgernis erregt,
denn Andre wollen ungestört sein.

Ein Killerwal klopft bei den beiden,
kurzum, er möchte Ruhe haben.
Durch so viel Übermacht bescheiden,
wird - Schwupps! - schon das Projekt begraben.

Im Ozean, da treibt ein Schrank,
dem fehlt nur noch die Tür.
Ich weiss ja: Dies Gedicht ist krank -
aber was kann ich denn dafür?