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terweitersiehtman
diepyramidenimsandeste
henseitewigenzeitenundkann
danngetrostmalwiedernachhausege
henjetztodernieodervielleichtirgendwann





Hello, World!


In seiner unendlichen Arroganz:
Er hatte's nicht nötig, es zu verstecken,
er dachte, es würde wohl keiner entdecken,
so unübersehbar im Sternenglanz.

Irgend ein Teufel hat mich da geritten.
Drei sternklare Nächte, ein Haufen Papier.
Endlose Zahlen, doch ich sage mir:
Jetzt kommen Befehle, Schluss mit den Bitten.

Via Voice control ist die Eingabe leicht.
Zweimal denied, aber dann doch ein Ack.
Hab' ich dich endlich, du alter Sack!
Ein Login in Runlevel Sieben erreicht.

Genau. Die Logfiles! Er war lange nicht hier.
Kein einziger Eintrag seit zweitausend Jahren.
Und noch niemals das Ganze runtergefahren!
Na ja, einmal mit BAK-file auf Runlevel vier...

Ich bin nicht zu Hause in diesem System.
Verglichen mit anderen ist dieses OS
anscheinend ein ziemlich fetter Koloss -
aber das Handling ist doch recht angenehm.

Ein paar Versuche mit Elementarbefehlen.
Wie wär's, wenn meine Katze Yvette
auf einmal so sieben Schwänze hätte?
Ach nee! Man soll keine Tiere quälen!

Mein erstes Makefile: Es werde Wein!
Funzt doch! Selbst die Spülung im Klo
benutzt jetzt einen Jahrgangsmerlot.
Mein Gott! Das haut ja wirklich voll rein!

Teil zwei heißt dann schlicht: Es werde Weiber!
Geht auch. Ich find's richtig Klasse,
diese nicht enden wollende Masse
sich dahinwerfender nackter Frauenleiber.

Zuletzt ist da noch: Es werde Gesang!
Geht voll schief. Ich glaube, ich höre
überall nur noch Engelschöre.
Runlevel eins, bis zum Big Bang?

Oh je! Es kommt, wie es kommen muss:
Das nervige himmlische Sphärengejaule
- Kompositionen von Peter und Paule -
frisst sich ins Ohr wie ein Tinnitus.

Undo unmöglich. In seiner Arroganz
verzichtete er auf Verdoppelung,
auf Backups und Datensicherung,
und den ganzen unnötigen Firlefanz.

In Anbetracht solcher Folterqual
sind Wein und Weiber nicht zu ertragen.
Ich kann ja auch kaum den Admin fragen:
shutdown minus h! Keine andere Wahl.

Goodbye, World!





Das Sesambrot


Nebst Kerzenlicht und Gottesdienst und Ruhe
beschert der Heiligabend mir Geschenke:
Ein Schlips, ein Hut und ein paar Wanderschuhe,
die allesamt zu tragen ich gedenke.

Dann eine kleine rote Taschenlampe,
mit beigefügtem Notstromaggregat,
viel Süßes zur Erbauung meiner Wampe,
und schließlich dieser Brotbackautomat.

Ja nun, ich hab schon öfters Brot gebacken,
doch nie im automatischen Prozess:
Zu all den schon bei mir vorhand'nen Macken
kommt also nun ein neues Business.

Schon in der Küche! Mehl und Flüssigkeit,
ein Löffel Salz, ein Beutel Backtriebmittel,
dann rühren, kneten, walken lang und breit
ganz stilgerecht im weißen Bäckerkittel.

Ich hole aus der Kammer eine Dose:
Nach krossem Sesamkorn steht mir der Sinn!
Mein Pech: Der Deckel sitzt nicht wirklich lose,
die Körner bleiben also erstmal drin.

Erst vorsichtig und dann mit Vehemenz
gilt es, den Mechanismus zu besiegen,
die Büchse zeigt enorme Resistenz
und ist mit Werkzeug auch nicht aufzukriegen.

Ich stehe nun recht ratlos in der Küche,
das Schweizer Taschenmesser brachte nichts.
Der Teig erzeugt so appetitliche Gerüche
und gärt und wächst im Schein des Neonlichts.

Ich könnte auf das Sesam ja verzichten,
und Leinsaat nehmen. Aber ich bin stur!
Der Dose unterwerfen mich? Mitnichten!
Die Frage bleibt: Wie öffne ich sie nur?

Ich hole aus mit einem Vorschlaghammer,
doch leider geht der Hieb ganz knapp vorbei.
Er trifft die Brotmaschine - welch ein Jammer!
Die Gans im Herd erschrickt und legt ein Ei.

Nicht nennenswert gebremst in meinem Eifer
wird aufgerüstet - rund vier Kilowatt.
Ich frag' mich, ob sie _diesem_ Winkelschleifer
noch etwas zum Entgegensetzen hat.

Hab' ich mich etwa doch zu früh gefreut?
Die Dose gibt nicht nach, sie hält sich gut.
Der Teig sieht hübsch aus, wie mit Mohn bestreut,
verziert von meiner Wunderkerzenglut.

Die fiesen, glühenden Korundpartikel
verteilen sich fontänengleich im Raum
und werden so zum Brandtransportvehikel.
Es brennt der Teppich und der Vorhangsaum.

Ich gebe auf und lösche alle Brände,
du meine Güte, das wird ziemlich teuer!
Mit meiner Nervenkraft nun nah am Ende
erhole ich mich erstmal von dem Feuer.

Der Blick schweift über dieses Trümmerfeld:
nicht nur der Brotbackautomat vernichtet.
Ich hatte mir das völlig anders vorgestellt -
mein Gott! Was hab' ich wieder angerichtet!

Die Buntlackdose mit dem Sesamkorn
zwar angekratzt, doch zu. Du blödes Stück!
Ich rauche eine, dann verraucht der Zorn,
allmählich kehr' zur Ruhe ich zurück.

Stumm ist der Weihnachtschor, der lief:
Verglüht zu Asche auch der Ghettoblaster.
Die Stille, die nun herrscht, ist abgrundtief,
und untermalt mit Schweigen das Desaster.

--

Da fällt's wie Schuppen mir aus meinen Haaren,
ich kenne doch seit meinen Kinderjahren
die Lösung! Und so sag' ich feierlich,
jedoch mit Nachdruck: "Sesam, .... !"





Kilometer Acht


Ich hatte grade Platz genommen -
noch stand der Zug, noch fuhr er nicht.
Der Bahnhof lag im Dämmerlicht,
das Bild im Fenster war verschwommen.

Doch dann: Ein Ruck! Wie gut zu sitzen.
Die Lichter wurden langsam rarer,
das schwarze Nichts im Fenster klarer -
da sah ich irgend etwas blitzen.

Nicht draußen war's, da war nur Nacht,
die Scheiben undurchdringlich dunkel,
kein Baum, kein Haus, kein Sterngefunkel.
Das war bei Kilometer Acht.

Oh nein, es war ein Spiegelbild,
das mich zu sich hinüber zog.
So alle paar Minuten flog
ein Haus vorbei, ein Baum, ein Schild,

doch dieses Bild, das blieb bestehen:
Ein Frauenbein und eine Hand,
ganz lässig liegend, wie ich fand,
nur - mehr war leider nicht zu sehen.

Im trüben Licht, das auf uns fiel,
war'n wir allein, nur du und ich.
Du sahst mich nicht, nur ich sah dich,
ließ den Gedanken freies Spiel.

Das Knie, die Hand, so unbewegt:
Du hattest einen langen Tag!
Kein Laut mehr und kein Flügelschlag,
ans Polster nur den Kopf gelegt.

Dann schob das Bild zur Seite sich,
der Zug geneigt in eine Kehre.
Dein Haar nahm mir die Erdenschwere,
so blond! - Mehr sah ich wieder nicht.

Ein Lichtermeer verdrängte nun
das Bild von Hand und Frauenbein.
Ein kurzer Halt, kein Mensch stieg ein.
Ich ließ den Blick im Fenster ruhn.

Da hab' mich noch selbst gewundert:
In dieser Stadt, da wohnte ich!
Nach Hause? Nein, ich wollte dich!
Das war bei Kilometer Hundert.

Mein Heimatort - Vergangenheit,
der Zug fuhr nun am Fluss entlang.
Noch eben war mir Angst und Bang,
doch du schliefst weiter ohne Zeit.

Ich sprach mit dir, wir lachten, tranken,
und tanzten durch die leeren Wagen.
Wir hatten uns so viel zu sagen,
als wir uns in die Arme sanken.

Du warst ein wenig kompliziert:
In jeder Stadt warst du verschwunden.
Die Arme in die Luft gewunden -
noch eben hättest du mich fast verführt.

Doch warst du treu, du Braut der Nacht,
kamst immer wieder zu mir her.
Dies Spiel zu spielen fiel mir schwer,
und du hast glockenhell gelacht.

Von einer Stadt zur andern brausend,
da legte Blei sich auf die Lider,
im Schwarz versank ich immer wieder.
Das war bei Kilometer Tausend.

Nun steht der Zug und fährt nicht weiter
auf einem fernen Abstellgleis.
Nur ein Plakat, wie ich jetzt weiß:
Und trotzdem stimmst du mich noch heiter.







Ich hab' was unterm Dach gefunden:
In Schweineleder, fein gegerbt
und methylenblau eingefärbt,
sind tausend Seiten eingebunden.

Und vorne drauf in goldner Schrift
der vage Titel: "Fahrtenbuch".
Doch wenn ich nach dem Inhalt such':
Die Seiten küsste nie ein Stift.

Nur leere Spalten, Datum, Zeit,
von wo nach wo, und dann: warum?
Ich denke "Gar nicht mal so dumm!"
und bin zum Protokoll bereit.

Ich schreibe, Zeit: "Dreizehn Uhr zehn"
Entfernung: "Maximal zehn Meter"
Der Grund: "Hat keine Zeit bis später!"
Von: "Hier" Nach: "Werden wir schon seh'n"

So leer nach all den langen Jahren
ist dieses Buch nun defloriert,
denn ich hab' seinen Zweck kapiert
und lasse endlich einen fahren.







Sie war grad' drei, vier Tage alt,
die Mücke mit den starren Augen,
und flog durch einen Tannenwald
um hier und da ein Blut zu saugen.

Dann wurden ihr die Flügel schwer.
An einem Ast ließ sie sich nieder,
doch da passierte das Malheur:
Verlassen konnt' sie ihn nie wieder!

Denn just an dieser Baumesstell'
trat Harz aus dessen brauner Rinde,
und dann trat ganz erstaunlich schnell
der Tod zu dem Insektenkinde.

Ein Klumpen fiel nicht lang danach
von diesem Tannenzweig herunter
und plumpste in den kleinen Bach -
der floss und plätscherte so munter.

So lange zog der Brocken dann
mit kleinen Bächen, großen Flüssen,
und sank dahin im Ozean,
weil dorthin alle Ströme müssen.

Für ewig lag er auf dem Grund,
die Zeit ist gar nicht zu ermessen.
Das Klümpchen wurde hart und rund,
vom Lauf der Welt schon fast vergessen.

Irgendwann kam die Brandungswelle
(das Schicksal zeigte doch noch Milde)
und spülte an des Ufers Schwelle
das kleine, gelbe Steingebilde.

Die Mücke - tausend Jahre alt,
um meinen Hals hängt sie jetzt immer.
Ein Schmuckstück in Ovalgestalt:
Ihr eig'nes, kleines Bernsteinzimmer.






Diese Bücher, die die da bei Ebay verhökern,
von denen ich mir ab und zu mal eines kauf':
Ich kann da ja stundenlang drin schmökern,
ich les' das nicht nur, ich geh' voll darin auf!

Einmal war's Herman Melvilles Moby Dick.
Sie: "Wollen wir heute mal ins Kino geh'n?"
Ich (ziemlich zackig): "Aye, aye, Kapitän!"
Sie (ziemlich zickig): "Du hast ja 'nen Tick!"

Ein andermal las ich ein Buch von Jack London,
auch da kam mir irgendwie Realität abhanden:
Er: "Die Post! Ich habe ein Päckchen für Sie!"
Ich: "Dafür hast du dir'n Wolf geritten, wie?"

Und auch die Reise in achtzig Tagen um die Erde
verursachte schon wieder eine fette Beschwerde.
Er: "Die Fahrkarte bitte! Die hätt' ich jetzt gern!"
Ich: "Die hat Passepartout, mein werter Herr Verne."
Er: "Schwarzfahrer also." (Das tut sich immer rächen!)
Ich: Musste ein vollfettes Bußgeld blechen.

Dezember: Es klopfte - der Weihnachtsmann!
Da zog mich grad Daniel Dafoe in den Bann:
Ich: "Hallo, das muss wohl der Freitag sein!"
Er: Packte die Geschenke schnell wieder ein.
(Weil Heiligabend nämlich an einem Sonnabend war,
aber das war mir da auch nicht so ganz klar...)

Ganz übel kam's dann mit meiner Vermieterin,
da steckte ich tief in Mays Winnetou drin.
Sie: "Wie wär's denn mal wieder mit Treppe putzen?"
Ich: Traf sie ganz gut mit dem Henrystutzen.
Sie (röchelnd): "... geht nicht mit Ihrem Köter!"
Ich: Gab ihr den Rest mit dem Bärentöter.
Sie: "__°³°__". (Nur noch Rauchzeichen)
Ich: Steine drauf. Macht man doch so mit Leichen!
(Ist ja nur wegen der Koyoten und Füchse -
notfalls bleibt auch noch die Silberbüchse...)

Ich glaube, ich bin ziemlich leicht zu verwirren -
aber auch da kann ich mich wahrscheinlich noch irren.
Überhaupt, bin ich mit meinem Beitrag hier richtig?
Falls doch nicht, betrachten Sie die Verse als nichtig.

Always look on the bright side...
Yours truly,



PS: Mein Zustand ist echt zum Kotzen!
Dr. Watson? Dr. Watson!!!










Die letzte Schlacht?
Foto: Strube-Zettler



Festen Schrittes schreiten wir nach Westen. Leider
ist die Sicht nicht gut. Es baut sich eine Wand
aus grauen Schleiern auf. Man sieht die Hand
vor Augen kaum. Was soll's, wir müssen weiter!

Schwer lastet das Gepäck, wir haben viel zu tragen.
Der Nebel legt sich wie ein weisses Leichentuch
auf Wiese, Bach und Wege, Tann' und Buch'.
Wir sehen keinen, nach dem Weg zu fragen.

Der Schritt wird zögernd, wir wittern Brandgerüche
ein bisschen mehr von Norden her. Wir bleiben stehen
und suchen Orientierung. Stärk're Winde wehen
und treiben schwarzen Rauch durch diese Hexenküche.

Die große Schlacht, sie muss wohl da im Norden liegen!
Bestialischer Gestank schlägt uns von dort entgegen.
Die Kameraden zähl'n auf uns, sie warten, und deswegen
ist höchste Eile nun geboten. Nicht gehen, nein, wir fliegen!

Kein Vogel singt mehr in den Bäumen, Totenstille
herrscht jetzt. Wir rücken vor, obwohl die Kräfte schwinden
und sehen links vom Wege eine Gruppe schwarzer Linden.
Liegt dort im Gras nicht einer? Unbeugsamer Wille

treibt uns. Da, zwischen Bäumen, Feuerschein! Krawall!
Wir seh'n ein Messer blitzen, rotes Fleisch und Blut.
Nur ein paar Schritte noch, und unser frischer Mut
führt uns. Wir hören kaltes Klirren von Metall.

Die große Schlacht. Die Welt wird noch nicht stillstehn!
Wir haben euch erreicht, ihr Lieben! Und wir hören
vertrauten Ton. Frau Schmoll, umringt von ihren Gören:
"Herbert, kannst du jetzt endlich nach dem Grill seh'n?!!!"








I
Angeklagter! Dieses ehrwürdige Gedicht
sitzt heute über Ihre Untaten zu Gericht!
Sie werden beschuldigt, so steht's in den Akten,
bewiesen wird's später durch Zeugen und Fakten,
gestohlen zu haben vor etwa vierzehn Wochen
- in der Nähe von Stuttgart, bei Oberkochen -
eine Grube zum Bau eines Bungalow-Heimes!
Gerichtsschreiber, das war jetzt nur wegen des Reimes,

II
notieren Sie 'Bungalow' ohne 'Heim',
der ist ja gerichtsunerheblich, der Reim.
Beklagter! Der Bauherr ließ diese Grube schachten
wie es Bauherrn und Bau-ern schon immer machten.
Die einen errichten ein Eigenheim
- nein, Schreiber, diesmal nicht wegen Reim! -
Die andren füllen die Gruben mit Mist,
weil der Abfall von Schweinen ebendies ist.

III
Sie, Angeklagter, wurden gesehen!
Nachts vor dem Tag an dem es geschehen!
Die XVII. Strophe war Zeugin der Tat,
wohnhaft in Aalen, sie fuhr mit dem Rad
von Kochen nach Cannstadt, ein bißchen eilig.
Ist Ihnen Eigentum denn gar nicht heilig?
Sie sah Sie da, zerrend am Rand der Grube!
Stehn Sie auf, Beklagter, Sie spitzer Bube,

IV
und äussern Sie sich! Doch vorweg zur Kenntnis:
Äussern, ja bitte, aber kein Geständnis!
Das würde das Gedicht ja gewaltig verkürzen
und das Gericht in Untätigkeit stürzen!
Nein, das hier ist ein Indiziengedicht!
Und wir werden jetzt zum Ingredenziengericht,
denn es ergeht hiermit und sofort Beschluß,
daß jetzt erst einmal Mittagspause sein muß!

V
Die Justiz zieht sich als leck'res Gericht
für eine Stunde zurück aus dem wirren Gedicht.
Und solange die Strophen noch an Knochen nagen,
soll keiner verteidigen und niemand klagen!
Hohes Gedicht! Kann ich noch kurz was fragen?
So nicht, Angeklagter! Ich muss Ihnen sagen:
Sie brachen soeben dem Vers das Genick!
Zweizeilig reimen! Tod durch den Strick!

VI
Das Gericht wird während der Pause verspeist,
Die XVII. Strophe ist mit dem Fahrrad entgleist
und in ein Loch gestürzt. Genau diese Grube,
in Zuffenhausen wiedergefunden. Angeklagter Strube!
Stehn Sie auf, sie werden sofort erschossen!
Und hiermit ist die Verhandlung geschlossen.
(Nur die VI. Strophe will noch etwas verweilen,
denn sonst fehlen ihr ja die letzten zwei Zeilen.)








Als Gott zu Anbeginn der Zeiten
den Menschen schuf nebst Sprache,
da kam er einmal kurz in's Gleiten,
Schuld war die Wasserlache!

Er hatt' die Konsonanten durch
und dacht' an die Vokale -
er schuf erst noch den gelben Lurch
und dann noch das Banale.

Die paar Vokale lagen hier
in einer Silberschüssel,
da kam das Elefantentier
und spritzte mit dem Rüssel.

Wie Gott da nun ins Wanken kam
durch diesen kleinen Rutscher,
verließ er die Gedankenbahn -
er schuf den Dauerlutscher!

Nur für Sekunden unaufmerksam,
und schon war das Malheur am Ziel:
In sein ansonsten gutes Werk kam
an einer Stelle Murks ins Spiel!

Die fünf Vokale, ungeplant,
die fiel'n aus dem Gefäß.
Der Herrgott, völlig ungalant,
der fiel auf sein Gesäß!

Als er dann wieder aufrecht stand,
da war'n die fünf vergessen!
Er schuf noch schnell das Flaschenpfand
und ging zum Abendessen.

Die kleinen Racker, ganz allein -
(es waren ja noch Kinder!) -
Die wollten auch mal Schöpfer sein,
allmächtig und Erfinder!

Sie hielten einen kurzen Plausch
im Schatten einer Tanne,
und schufen unbemerkt den Tausch
den Fehler und die Panne.

Sofort dann machten sie Gebrauch
von ihrem neuen Können
und sahen zu, daß sie dann auch
dem Griff des Herrn entrönnen.

Millionen Jahre ist das her,
Vokale in Verwirrung,
und nie und nimmer merkte wer
etwas von dieser Irrung.

Doch heute morgen um halb acht,
man weiss nicht was sie trieb,
ist ihr Gewissen neu erwacht,
jetzt sind sie wieder lieb!

Natürlich ist jetzt alles neu,
Du musst dich dran gewöhnen!
Doch eins ist sicherlich vorbeu:
Daß die den Schöpfungsakt verhöhnen!








Ich bin ein TCP-Paket
und schwirre durch die Drähte.
Falls ihr jetzt ganz genau hinseht:
Ich bin schon etwas späte!

Ich zische durch das Strippenmeer
gelenkt vom Protokolle,
und hoffe, dass bald heim ich kehr:
Da wartet meine Olle.

In Harburg wurd' ich abgeschickt
in Richtung Blankenesen,
doch hat's mich aus der Bahn gedrückt:
Bin grad' bei den Chinesen!

Von da geht's weiter, hoffentlich,
per Satellit in die Türkei,
denn einmal so entstoffelicht
ist die Bewegung frei!

Anschliessend wieder drahtgebunden,
und ab nach Frankfurt/Main,
dann hab' ich endlich doch gefunden
das Netz von Teonlein.

Ich frag' mich, was ich wohl enthalte:
News von der grossen Pleite?
Vielleicht auch eine halbe Spalte
von einer Porno-Seite?

Vielleicht ist's auch ein Liebesbrief
per Mail verschickt an Hilde.
Schliesslich sind stille Wasser tief!
Liebt sie wie eine Wilde?

Vielleicht ein Überweisungsträger,
falls du es auch entdecktest:
Nicht so wie früher - ich bin reger! -
als du noch Marken lecktest!

Ich grüss' ein paar Kollegen noch
die ich im Flug erblicke.
Sie sind zu schnell - deswegen doch
grüßt keiner je zurücke.

Oh je, was ragt da in die Bahn
wie eine virtuelle Spitze?
Ich selber mich zur Vorsicht mahn'
dass ich mich nicht dran ritze!

Zu spät, bin seitlich aufgerissen
es quellen meine Bits und Bytes.
Als hätt' der Leu das Gnu gebissen
bin am Verbluten ich bereits.

Es sinkt mir der Bewusstseinspegel,
es wird schon Nacht und leer in mir.
Ausnahme ist's, doch nicht die Regel,
dass ..... .... ..macht ... dir...

-------------------

Die Hilde hockt im Kämmerlein,
weint sich die Äuglein rot -
Da keine Antwort, muss es sein:
Ihr Heinrich, der ist tot!








Zwecks Reinigung steigt Anne
in eine heiße Badewanne.
Kaum drin, da klingelt's Telefon -
sie wieder raus: "Ich komme schon!"

Sie lässt sich auf dem Stuhle nieder
tropft noch, und ist doch froh und munter.
Sie spricht und schnürt dabei ihr Mieder:
Der Stuhl zerbirst, und sie plumpst hinten runter.

Nun liegt sie da und will sich grad erheben,
da lässt die Nasenflügel ihr erbeben
ein scharfer Brandgeruch, der aus der Küche weht,
weil dort seit Stunden Suppe auf dem Herde steht!

(Dieses Gedicht wird bei gegebenem Anlass fortgesetzt)








Ich sitze hier und schreibe so
ein bißchen vor mich hin,
da geht ein kleines Fenster auf,
es steht was für mich drin:

box 1

Nanu, das find ich wunderbar:-(,
die ist doch fast halb leer -
noch einundzwanzig Gigabyte!
Das wundert mich schon sehr.

Noch ein Versuch (Versuch macht kluch),
und jetzt geht's doch zu sichern!
doch sieh!, ein neues Fensterchen -
(Hört ihr mal auf zu kichern?)

box 2

Was soll der Quatsch, das sind doch nur
drei Verse und zwei Bilder,
die ich bisher hier fertig hab.
Das wird ja immer wilder!

Ich klick auf 'Ignorieren' und
trink erstmal ein Glas Wein.
Zuerst klappt's gut, jedoch kommt dann
erneut ein Fensterlein:

box 3

Mein Freundchen, du, ich habe jetzt
die Faxen reichlich dick!
Noch so ein Spruch - dann brech' ich dir
dein Digital-Genick!

Hör auf zu Maulen, mach doch jetzt
nur einmal was mit Sinn!
Doch wieder geht ein Fenster auf,
ach! - es steht gar nichts drin!

box 4

Nachtrag (ja, ich kann nachtragend sein!):

Der Rechner dann verhüllte sich
in tiefes Tintenblau,
das oftmals in Verbindung steht
mit einem Daten-GAU.

Einmal noch, über Prozessorlast-Spitzen,
sah ich ein goldenes Sprüchlein blitzen:

box 5

Ja, du Armleuchter, das wissen wir schon!








Stolz steht der neue Rechenknecht
nun auf dem Schreibtisch. Also, echt,
sieht der nicht einfach Klasse aus?
Doch hinten hängen Strippen raus,

die müssen nun verbunden werden
mit dem größten Netz auf Erden.
Die Buchse hier, der Stecker dort,
Du fängst erst an, dann setzt du fort

den Strippenwirrwarr zu verbinden.
Was doch die Leute so erfinden!
Und dann, ganz plötzlich, steht im Raum
- geläufig ist er dir wohl kaum -

ein ziemlich neuer Fachbegriff.
Da wirkt kein Trick, da nützt kein Kniff:
Was ist denn "Kommunikation",
verbunden hier mit "asynchron"?

Die asynchrone Kommunikation
die ist nicht neu, die kennst du schon!
Es sei denn, du lebst ganz alleine.
Doch nennst du eine Frau die deine

Dann weißt du, wie der Hase läuft.
Wenn sie sich eine Bluse käuft
für hundert Euro, ist das billig.
Und du, du bist einfach nicht willig

ein bisschen dich zurückzuhalten,
willst den Familienfrieden spalten,
wenn's einmal zwanzig Kröten werden:
So teuer ist kein Hemd auf Erden!








Das Publikum ist sehr gespannt,
Schaut aufmerksam nach oben:
Dort stehn die beiden Hand in Hand.
Die Menge möchte toben!

Er ist ein starkes Kraftpaket,
Sie eine schlanke Gerte.
Gestählte Körper, wie ihr seht,
In unbeugsamer Härte.

Sie treten vor bis an die Schwelle
Und drehen sich dann ganz herum.
Konzentration an dieser Stelle,
Ein letzter Blick ins Publikum.

Das klatscht und jubelt wie besessen
Den beiden Helden auf dem Turm.
Man liebt, so nach dem Mittagessen,
Der großen Emotionen Sturm.

Der Absprung dann erfolgt korrekt,
Ganz ohne jeden Punktverlust,
Und auch der Flug ist nicht suspekt,
Auch diesmal kein Medaillenfrust!

Die Jury handelt ganz spontan,
Die Zehn wird hochgerissen
Bevor der Sprung zum Ende kam -
Mehr will man nicht mehr wissen.

Der Aufprall, der ist hart wie Stein,
Das Blut spritzt eher ziemlich weit.
Im Publikum, jetzt ganz allein,
Macht sich nun Schweigen breit.

Die Mittagspause ist vorbei,
Die Leichen werden abgeräumt.
Man gibt die Strasse wieder frei,
Wer jetzt kommt, hat's versäumt.








Ein Jeder kennt die schlimmen Trenn=
ungsängste. Denn bedenke: Wenn
sich Dinge voneinander trennen, lei=
det immer eins davon. Manchmal auch bei=

de. Vom Trennen gehen auch Gefah=
ren aus, man weiss es doch: Da wa=
ren diese Regeln, die der alte Leh=
rer damals in die jungen Ge=

hirne seiner Schüler brennen woll=
te. Doch was das Ganze wirklich soll=
te, konnt' schon damals niemand nach=
vollziehn. Mein Rat, der lautet: Ach,

sei einfach stark und setze dich darü=
ber stolz hinweg! Viel besser: Ü=
be was Gescheites, wie zum Bei=
spiel die infinite Rechnerei!









Neulich hab ich meine Hose einfach nicht mehr zugekriegt. Die Ursache des Problems war auch schnell ermittelt: Ein rückläufiger Höhe/Breite-Quotient meinerseits, und zwar kräftig rückläufig. Den Rest des Tages verbrachte ich damit, den Zeiger von der Waage zu suchen (er lag direkt neben dem Knopf meiner Hose) und ohne Abendessen. Eine Diät musste her, abnehmen, FDH ...
Aber der Anblick eines lächerlichen Stückchen Knäckebrots mit Magerquark steigert ja nun nicht gerade das Wohlbefinden - im Gegenteil, es kann zu schlechtem Nachtschlaf führen, bis hin zu richtig schlimmen Alpträumen. Was man sich da so zusammenträumen kann, das habe ich in diesem Gedicht festgehalten. Ich weiss, es ist ein sehr langes Gedicht - aber es war eben auch ein langer Alptraum! Eigentlich ist er noch gar nicht vorbei...


Der Leser weiß: ein leerer Bauch
kann Träume oft zum Alptraum machen.
So ging's mir neulich abends auch,
Ich träumte da ganz schlimme Sachen:

Der Traum führt erst nach Pakistan,
da sind die Leute ärmlich dran.
Der Träumende muß Hunger leiden,
und sich mit trocken Brot bescheiden.

Von da aus geht's nach Lappenland,
da hängen Schinken an der Wand.
Sie hängen leider ziemlich oben,
der Hungernde ist voll am Toben.

Sosehr er sich auch mühsam reckt,
die Arme in die Höhe streckt,
er kann die Schinken nicht ergreifen.
Ein Auto kommt, es quietschen Reifen.

Ein Lapp' steigt aus und holt die Schinken,
Das tut dem Träumer reichlich stinken.
Der Blick trifft auf die leere Wand,
So ist das halt im Lappenland.

Von da aus geht's nach Indonesien,
dort fehlt es sehr an Mayonnaisien.
Und auch von Ketchup keine Spur!
Pommes frites? - Die Leute lachen nur!

Ein halbes Hähnchen? Ohne Frage:
die haben gar nichts dieser Tage.
Die Indonesier schau'n recht mager.
Das Traumsubjekt wälzt sich im Lager.

In Kanada ist's auch nicht besser,
auf großem Fuß ein Eintopfesser
hat alle Nahrung eingesammelt,
und sich dann alles reingerammelt.

Der Traum führt auf die Keruelen,
von da gibt's wenig zu erzählen.
Da gibt es nicht mal trockne Datteln,
Und an das Festland muß man paddeln.

In Portugiesien eingetroffen,
sind alle Leute dort besoffen,
auch ich hätt' gerne was zu saufen,
würd' mir so gern 'nen Portwein kaufen,

doch hab' im Traum kein Geld dabei.
Den Händlern ist das einerlei:
Sie würden - falls sie sich bequemen -
sowieso nur Escudos nehmen.

Den Träumer trägt es wider Willen
von Porto weg auf die Antillen.
Dort ist der Ackergrund verdorrt:
Gefällt mir nicht! Ich will hier fort!

In Frankreich, mitten in Paris
ist die Versorgungslage mies.
Mein Bauch sagt plötzlich: Ach, ich hätt'
ja doch so gerne ein Baguette.

Oh je! Es werden immer fieser
von Stund' zu Stunde die Pariser.
Man will mir einfach keines geben.
In Frankreich ist's ein Hundeleben.

Nach Grönland sind wir nun geraten,
die Eskimos tun Fische braten.
Die Innuit, um was gebeten:
Zu spät, mein Lieber, nur noch Gräten!

In Italien wachsen am Sonnenhang
Weine mit Namen von gutem Klang.
Der Träumer tritt näher und sieht voller Freuden:
Hier tut die Sonne ihr Licht nicht vergeuden.

Die Hand vorgestreckt und voll Entzücken
will er vom Busch ein paar Trauben pflücken.
Da kommen Winzer mit weidenen Kiepen,
mit Scheren sie in die Zweige kniepen.

Dann gehen sie wieder und lassen zurück
der köstlichen Früchte kein einziges Stück.
Die Edelgehölze sind bar jeder Traube,
die Winzer, sie eilen zur Winzerlaube.

In Texas, da gibt's wenig Frost,
deshalb man oft am Gartenrost
sich Würste grillt und and're Sachen,
die manchen Mund leicht wäss'rig machen.

Doch leider führt der böse Traum
dort gar nicht hin! Man glaubt es kaum!
Der Traum spielt weiter jetzt in Polen.
Auch dort ist wieder nichts zu holen,

Und schließlich kommt die Odyssee
Zum Weißwurstfest nach Zell am See.
Das Übel: es ist späte Nacht,
Man hat schon alles dichtgemacht.

Nach dieser neuerlichen Wandlung
verlagert sich des Traumes Handlung
nun auf den Mond, so bleich und fahl.
Der Träumende in seiner Qual

will's wissen: Ist denn was daran,
daß man sich Stücke schneiden kann
von grünem Käs' aus dem Trabanten?
Man ahnt die Wahrheit: Keinen Kanten!

Dahin auch diese Illusion.
Die Traumeshandlung eilt nun schon
zum Mars, dem roten Frostgestein.
Dort gibt's nicht mal ein Spinnenbein,

nur rotes, trocknes Lehmgeröll.
Es sieht fast aus wie in der Höll'.
Und glaubt mir, wenn ich euch erzähle,
der Traümer sieht auch kaum Kanäle.

Auf dem Merkur, dem Kleinstplanet,
nicht eine Pommesbude steht!
Dort herrschen hundert Grad im Schatten,
weshalb Besucher schnell ermatten.

Nun trägt es uns aus dem System,
die Reise reichlich unbequem:
Mit Überlichtgeschwindigkeit
(sehr viel Entfernung, wenig Zeit)

geht's ab zur Wega, und dort hausen
echt fürchterliche Eß-Banausen.
Man frißt dort Steine, Sand und Schutt
und geht davon doch nicht kaputt.

Und wie beim Uhu das Gewöll,
spuckt man danach noch das Geröll
im hohen Bogen wieder raus.
So sind die Aliens - so sieht's aus.

Da wird's im Traum mir doch zu bunt,
was bin ich für ein armer Hund!
Das laß ich mir nicht mehr gefallen!
Entwinde mich den Traumeskrallen

Und wache auf. Vorbei der Alp.
Ein Blick zur Uhr: 's ist kurz nach halb.
Jetzt ist's vorbei mit dieser Qual -
Die Scheiß-Diät, die kann mich mal!