Startseite
Neuigkeiten
Impressum
Links
Gästebuch





So Nette

Balladellen

Das Vieh

Befindlichkeiten

Liebesgedichte eines Programmierers

Kleine Animalien

Int'l

Bildkritiken

Erzählungen

Lyrik-Puzzle

Verzeichnis

 



Treppengedicht



                                            steig ich hinab auf leisen Sohlen
                                          Um etwas Nachschub mir zu holen,
                                        Hau wech! (Ich bin schon leicht betrunken)
                                      bis oben reicht das nie und nimmer!
                                    Egal, ob Pils, ob Kölsch, ob Bock,
                                  noch weit, ich wohn' im siebten Stock.
                                Mein kleines Junggesellenzimmer
                              Die nächste Pulle, denk' ich doch!
                            Na schön, und was muss jetzt dran glauben?
                          die mir die letzten Kräfte rauben?
                        Wie viele Stufen sind das noch,
                      es wird ja keiner danach fragen.
                    Die nächste? Das ist mir doch Wurst -
                  Doch wieder kommt schon bald der Durst!
                Nun läßt sich's etwas besser tragen!
              Ich kann doch einfach eine trinken!
            Es wird ja sicher keiner merken:
          ich muss mich erstmal kräftig stärken.
        Noch will kein Ende gnädig winken,
      doch lang und steil ist diese Treppe!
    gefüllt mit kühler Gerstenbrause -
  ein schweres Sechserpack nach Hause,
Es rinnt der kühle Schweiß: Ich schleppe

                                              und fühl' mich ganz schön tief gesunken!









Ab und zu, so alle paar Wochen,
tu ich mir was zu essen kochen.
Aber jedesmal sieht's hinterher aus
als wär' das Erdbeben hier zu Haus.

Praktischer und schöner
ist ein Döner.








Spring!
All das, was einst von Wichtigkeit,
ist plötzlich nur noch Nebensache,
und wenn ich's mir zu eigen mache
erfüllt mich nur noch Nichtigkeit.

Spring!
Tief unter mir ein graues Band,
ein Bach, vielleicht ein kleiner Fluss?
Zu spät für einen letzten Kuss,
weil ich dazu die Zeit nicht fand.

Spring!
Daneben noch mehr schmale Bänder,
ein kleiner Weg, gesäumt von Birken.
Wie winzig die von hier aus wirken!
Der Wind pfeift durchs Geländer.

Spring!
Wie hoch ist dieser Brückenbogen?
So etwa hundertzwanzig Meter?
Fühl ich mich gut, Sekunden später?
Wahrscheinlich ist das nur gelogen.

Spring!
Ich häng' ja doch an diesem Leben,
zum Sterben ist noch nicht die Zeit.
Ich bin auf keinen Fall bereit,
schon jetzt den Löffel abzugeben.

Spring!
Ja schon, es war der dritte Preis
bei irgend einem Preisausschreiben.
Trotzdem kann's mir gestohlen bleiben:
Bungee-Jumping, was für'n ...!









Am Ostseestrand

Foto: Strube-Zettler




Einmal - seitdem sind viele Jahre vergangen,
sass' ich, um den erhitzten Kreislauf zu kühlen,
entspannt an der Ostsee auf Campingstühlen
und liess meine Füsse ins Wasser hangen.

Allzu lange währt diese Freude nicht,
denn es öffnet sich eine Art Wellentor,
und daraus schaut eine Halbkugel hervor.
Keine Augen, kein Mund, und trotzdem spricht

sie deutlich zu mir: "Ich bin eine Qualle!"
Ein wenig beunruhigt bin ich ja doch -
die brennen doch so, wie war das denn noch?
Weh tun nur manche, aber doch nicht alle!

Sie treibt etwas näher, ich erkenne nun
ganz deutlich die langen, roten Tentakel.
Jede Berührung wäre ein Riesendebakel!
Sie sagt ganz leise: "Mit deinen Schuh'n

wär' ich zufrieden! Wirf sie ins Wasser!"
Ich überlege nicht lang, ein paar Badeschlappen
kann ich entbehren, das kann ich berappen.
Ein Wurf, und die Qualle wird langsam blasser,

im Schlepptau die Schlappen. Das ist erledigt!
Sie verschwindet dann unter der Ostseedünung
irgendwo in der Unterwasserbegrünung.
Die Ruhe ist himmlisch, ich bin unbeschädigt.

Doch nach fünfzehn Minuten ist's wieder vorüber:
Zwei weit're der schleimigen Ungeheuer
fordern Kurtaxe ein, und die ist teuer!
Den Besitzer wechseln - na ja, Schwamm drüber -

meine blauen Socken sowie meine Zeitung,
die ich zum Glück schon gelesen habe.
Beim nächsten Mal folgt dann die Vorderradnabe
meines Fahrrads sowie ein Stück Leitung

vom Dynamo zum Rücklicht. Das ist nicht zum Lachen!
Das Fahrrad fährt sowieso nicht mehr weiter.
Ich finde das Ganze auch gar nicht mehr heiter -
ich sollte mich langsam auf die Socken machen!

Ups! - Die sind ja schon weg! Ich sollte bald
auf das Fussbad verzichten und nach Hause gehn.
Und zwar dalli! Doch was muss ich sehn?
Sie sind zu fünft, und sie fordern eiskalt!

Ich beginne zu hadern. Mir rinnt der Schweiss
von der Stirn, doch das Wasser ist kühl.
Ich müsste nur aufstehn, aber mein Gefühl
sagt mir "Gib's ihnen, es ist doch so heiss!"

Ich weiss ja, das mit der Willenskraft,
das war nie meine Stärke, also bleibe ich hocken.
Ein Reifen, der Sattel, sie folgen den Socken.
Dann noch zwei Speichen und der Lenker samt Schaft.

Ich frag' mich, warum ich in Gottes Namen
nicht einfach verschwinde. Da sind sie wieder -
sechs oder sieben. Der Verstand sinkt nieder.
Das Fahrrad verschwindet einschliesslich Rahmen.

Eine Frage alleine beherrscht mein Denken:
Sind's die roten, die brennen, oder die blauen?
Ich könnte mich selber auf die Backe hauen!
Falls Ihr's wisst, die Antwort könnt ihr euch schenken.

Als nächstes fliegt jetzt der Wohnungsschlüssel.
Dann noch das Hemd, gleich danach meine Hose,
und schliesslich - wie schrecklich - die Tabakdose.
Hab' ich denn einen Sprung in der Schüssel?

Meine Brieftasche ist alles, was mir noch bleibt.
Es scheint so, als wäre jetzt endlich Ruhe!
Ich brauchte doch sowieso neue Schuhe!
Und jemand, der solche Gedichte schreibt,

braucht der ein Fahrrad? Ich denke nein!
Die Ostsee umspült so wunderbar prickelnd
meine Füsse. Zwölf Quallen, ein Gespräch entwickelnd,
forden lautstark "Wirf jetzt alles rein!"

Schon fliegen Papiere und Euroscheine,
ein paar Fotos, der Ausweis und was weiss ich.
Wenn man's bedenkt, so unter dem Strich,
sind Quallen doch wirklich miese Schweine.

Grad jetzt kommt Wind auf, es wird etwas frisch.
Der Stuhl ist auch weg, und plötzlich merke
ich doch die Präsenz einer gewissen Stärke:
Na los!, geh heim jetzt, und sei kein Fisch!

Na also, es geht doch, ich kann mich bewegen!
Ich mach ein paar Schritte, zwar leicht gebeugt,
denn ich bin nackt, und dieser Zustand erzeugt -
na ja, ich will keinen Unwillen erregen...

Ich bin ja schliesslich nicht ganz allein hier.
Ich weiss schon, man hat mich angegafft,
ungläubig, staunend - "Ob der noch was rafft?",
oder auch weggeschaut: "Ist doch nicht mein Bier!"

Ein rot-weisses Auto steht hinter dem Strand.
Zwei Männer in Weiss, verbindlich und nett,
sagen: "Kommen Sie, wir bringen Sie in's Bett!
Wir haben Sie gleich an Ihrer Kleidung erkannt!"








In der Südsee, irgendwo an einem Palmenstrand,
eine Baströckchenschönheit an jeder Hand.
Ein sanfter Wind, am Horizont ein paar Boote,
Musik gibt der Szene eine beschwingte Note.

Kann aber auch sein, ich bin ein Astronaut,
der aus der Umlaufbahn auf den Mars runterschaut.
Ich will schnell noch mal bei meinen Kumpels landen -
ob die das neulich wirklich so witzig fanden?

Mag aber auch sein, ich bin grad versunken
in einer der übelsten Hafenspelunken.
Ich bin Seemann heute, und zwar ein ganz wilder,
auf den Muskeln überall Tintenbilder.

Vielleicht ist's auch so, dass die Vereinten Nationen
unter Missachtung gültiger Konventionen
mir soeben ganz privat einen Krieg erklären.
Sollte ich denen etwa freien Abzug gewähren?

Möglich wär' aber auch die folgende Variante:
Ich bin grad die Nichte einer wildfremden Tante!
Ratlos, verwirrt, so kann man's beschreiben -
dieser Frau Nichte kann mitnichten ich bleiben!

Manchmal bin ich dann auch so ein Wicht,
jeder sagt mir "Mein Kleiner, das darfst du nicht!"
Geb' ich klein bei? Oder will ich's klären?
Soll ich kneifen, mal wieder, oder mich endlich wehren?

-----

Wie dem auch sei: Ich hab' leider keine Ahnung
von Ende und Ausgang all dieser Geschichten.
Weiss nichts über Neues zwischen Tanten und Nichten,
kenne nicht die neueste internationale Planung!

Hab's auch versäumt, einen Blick zu riskieren,
als die Baströckchen plötzlich zu rutschen anfingen.
Ob die Marsmenschen diesmal die Flaggen aufhingen?
Ob die an der Bar noch auf die Tätowierungen stieren?

Egal was passiert, es endet dann immer
mit eindeutig vorhersehbarer Zwangsläufigkeit
sowie lebenslang gleichbleibender Häufigkeit
am früheren Morgen in meinem Zimmer.

Zwischen mich und das Leben drängt sich ein Ton,
Welten verblassen, jeden Tag eine neue.
Ich kann nicht behaupten, dass ich mich freue,
eher sehe ich's als der Realitäten Hohn!

Das Geräusch ist nervend, penetrant und schrill,
es wird zum Mörder all jener Traumfiguren,
tötet Baströckchenschönheiten und Hafenhuren,
und sogar diese Tante, was ich sicher nicht will.

Mein Wecker entvölkert einen roten Planeten,
annulliert grelle Kneipen samt Publikum.
Das Ende der Dinge, denn die Nacht ist um!
Ich selbst hab' ihn abends darum gebeten.








Herr Fleischermeister, mich verlangt es so sehr
nach etwas Leberwurst, und zwar genau von der
mit der rosigen Pelle und den saftigen Stücken,
ich kann gar nicht sagen, wie die mich entzücken,

Von der soll's sein, von der Fetten und Groben,
die Sie gestern erst über den Tresen schoben.
Ich seh' schon, Sie runzeln die Stirne entrüstet
weil's mich plötzlich so sehr nach der gelüstet...

--

Mein Herr, tut mir leid, ihrem Wunsch entsprechen
kann ich teilweise nur, nicht in Tränen ausbrechen!
An der Wurst soll's nicht liegen, aber die Fette
mit dem rosigen Teint, die immer Adrette,

die Grobe mit den appetitlichen Brocken,
die auch mich immer wieder einmal verlocken,
die erst gestern ich auf dem Tresen schob -
mein Herr, ich verstehe durchaus ihr Lob!
Sie ist heut' nicht da, das muss leider ich sagen,
das liegt an den dummen Berufsschultagen!








Herr Erwin B. hat ganz plötzlich 'nen Platten.
Obwohl das Andere auch schon hatten
und es alle durchaus verkraftet haben,
zu nehmen sich treibt es den seltsamen Knaben
das Leben!

Er geht nach Hause, lässt das Auto liegen.
Dort hat er von alten Wettkampfsiegen
- Mein Gott, denkt er, wie lang ist's her? -
was im Schrank: Er drückt ab das Gewehr -
Daneben!

In's Deckengebälk fuhr der letzte Schuss,
weshalb er jetzt anders planen muss.
Um die Vorgehnsweise noch zu verschärfen
will er sich nun vom Hochhaus werfen,
mal eben!

Er kennt ein solches, das geeignet scheint,
es ist aber weit entfernt. Er meint
"Ich glaub's ja nicht", denn an der Haltebucht
fuhr der letzte Bus zur Hochhausschlucht
soeben!

Er grübelt lang. "Ich könnte zwar laufen,
doch kann ich mich ebensogut ersaufen!"
Zum Fluss ist es näher, er findet die Brücke,
doch leider fehlt im Geländer die Lücke:
Nur Streben!

Er passt nicht durch, er ist etwas dicklich,
und Klettern? Dazu ist er zu ungeschicklich.
Das könnte jetzt lang noch so weitergehn -
das Schicksal lässt aber was andres entstehn:
Erdbeben!

Die Häuser wanken, der Fluss aus dem Bett,
Brücken krachen, und er denkt: "Das hätt'
mich fast umgebracht!. Ich könnte ja weinen
vor Glück. Jedenfalls geh' ich jetzt einen
heben!

Falls dir dieses Gedicht nicht gefallen sollte,
Tut's mir leid, weil ich das nicht so wollte.
Nimm aus dem Drucker ein A4-Blatt Papier,
und dann kannst du es auf den Monitor dir
kleben!








Ich will grade noch mal, so auf die Schnelle
in die Innenstadt fahren. An der Haltestelle
treffe ich Jürgen. Ich kenn' ihn von früher,
er ist ein verbaler Graffitisprüher.

Kaum bin ich entdeckt, überfährt mich sogleich
("Wie geht's denn, was machst du, wie heisst du noch gleich?")
'ne Lawine aus Worten und Kombinationen
vergeigter Kasi und Deklinationen.

Er kaut mir ein Ohr ab, dieser Laberhannes,
schwallt von diesem und jenem und dann von Annes
Geburtstagsfete vor sieben, acht Jahren,
auf der wir anscheinend beide waren.

In der Tram setzt er sich dann ohne Bedenken
schräg gegenüber, auf den Viererbänken.
Das Schwallniveau hält sich ziemlich konstant,
die Fahrgäste tuscheln schon hinter der Hand.

Wie ungerecht man ihn da behandelt hätte,
damals, auf der Fete, und jede Wette:
Ihn rauszuwerfen sei ein Komplott gewesen
von seiner Exe, diesem alten Besen.

Die Leute drumrum werden langsam nervös.
Ein älterer Herr bietet höchst generös
seinen Platz einer Frau an, die - sonderbar -
wohl Zeit ihres Lebens schon unsichtbar war.

Er sucht sich dann lieber was weiter hinten,
dann sieht man auch Andre durch den Wagen sprinten.
Ich versuche mal wieder, was dazwischenzusagen,
erfolglos. Ich pack' Jürgen am Kragen -

auch das ignoriert er. Ich steige schnell aus,
steh' irgendwo vor einem Porzellanwarenhaus.
Die Bahn fährt schon los - hab's endlich geschafft!
Doch wie so oft in diesem Leben klafft

eine Lücke zwischen Wunsch und Realität!
Der Stassenbahnfahrer bremst nochmal spät,
Und Jürgen ("Was ich dir noch sagen muss...")
beglückt mich noch weiter mit seinem Stuss.

Er macht mich fertig, nicht mehr auszuhalten -
könnt' ich doch nur meine Ohren abschalten!
Und während ich langsam zusammensacke,
labert der mir ein Cordon Bleu an die Backe.

Heimtücke ist eigentlich nicht meine Art,
doch während der längeren Strassenbahnfahrt
hab' ich doch schon mir Gedanken gemacht.
Das Ganze nun mal auf den Punkt gebracht:

Ich muss ihn entsorgen, und zwar ohne Verzug!
Von Moral hier zu reden, wäre Selbstbetrug.
Gedanklich wird jegliches Mittel erörtert,
das ihn vom Diesseits ins Jenseits befördert.

Der Zufall hat heute die Hand im Spiel:
Ich sehe das Mittel, den Weg und das Ziel!
Ein offener Gulli, nur schlecht abgedeckt,
ist das, was in mir neue Hoffnung weckt.

Ich fackel nicht lange, ich packe ihn gleich
und steck' ihn kopfüber in den Schmalspurteich.
Er redet zwar weiter, doch man hört nur Rauschen
und Blubbern und Gurgeln. Jetzt nur noch tauschen

das Nichts oben drüber mit dem Deckel daneben,
sauschweres Gusseisen, doch es geht so eben.
Ein letzter Ruck - und das Loch ist zu.
-- Warte nur, balde ruhst da auch DU!








Früher, als ich noch kein Einkommen erzielte
(ich meine: als ich noch im Sandkasten spielte)
wie lang konnte da eine Stunde sich dehnen.

Damals gab's während der Sendelücken
nicht Werbung im Fernsehn. Zum Überbrücken
wurden Uhren gezeigt. Ich möchte erwähnen:

Diese eine Minute, von kurz vor bis um Acht
(anschliessend wurd' ich ins Bett gebracht),
die hat irgendwie immer ewig gedauert.

Heute, mal ehrlich: Ich lass' einen ziehen,
und während die Andern aus dem Zimmer fliehen,
sind dreissig Minuten am Leben versauert.

Die Uhren im Fernsehn sind ausgestorben,
ich hab' mir dann eine im Laden erworben.
Sie steht auf dem Sims und wird täglich schneller.

Die Glasscheibe habe ich viviseziert
und das Ziffernblatt grosszügig perforiert:
Sie dient mir als Klimapropeller.








Die Blonde am Kaffeeregal
sieht nett aus. Aber der Ausdruck im Gesicht?
Sagen wir's mal so: gefällt mir nicht.
Na ja, ist auch egal.

Die Rote bei den Getränken
kommt gar nicht in Frage. Ach ja, der Salat!
Aber das Dekolleté ist sehr delikat.
Kann ich mir schenken.

Die mit den braunen Haaren?
Teebeutel sind wichtig. Eine richtige Trine!
Pfefferminze und grünen. Sieht aus wie Sabine
als wir zusammen waren.

Die im schwarzen Kleid?
Sieht cool aus. Arrogant. Aber keine Chance!
Die bring ich wohl nicht aus der Balance.
Ich tu mir selber leid.

Die mit der Tütensuppe?
Ich brauch' auch welche! Lächelt, sieht gut aus.
An der lass' ich jetzt meinen Frust raus.
Lass mich in Ruhe, Puppe.

Noch eine beim Wein!
Beeindruckend, wenn sie sich so bückt.
Von vorn bin ich eher weniger entzückt.
Ok, lassen wir's sein.

Kommt keine mehr vorbei?
Was wollte ich eigentlich noch? Ach so:
Eier und ein Stück Seife fürs Klo
und Bier, alkoholfrei.

Es ist richtig leer hier.
Radio Gaga verkündet mächtig stürzende Preise
und verlost eine beknackte Deutschlandreise.
Ich nehm' richtiges Bier.

Wo ist die Suppenfrau hin?
Eigentlich war die doch echt Spitzenklasse!
Scheisse, schon ganz weit vorn an der Kasse.
Scheisse, wie blöd ich bin!








Kurz vor zwei.
Keine Zigaretten mehr. Die Tanke hat schon zu
und mein Schätzchen fragt mich: "Gehst du?"
Dann will sie noch wissen, wie spät wir's haben.
Ich hol mir den Schlüssel, um schnell loszutraben.
Hab' Kleingeld dabei!

Betrug!
Der Automat ist kaputt. Obendrauf sitzt 'ne Kröte
und quäkt mit einer haarsträubenden Tröte:
"Küss mich, dann hast du drei Wünsche offen!"
Eigentlich bin ich doch überhaupt nicht besoffen!
Aber auf Entzug.

Will rauchen!
Nein, will nicht küssen. Das Vieh ist schmierig
und schleimig und voller Warzen. Wie schwierig!
Kann mich nicht entscheiden. Tu ich's? Oder nicht?
Ich suche das Geld raus. Es brennt kaum Licht.
Werd's brauchen.

Entscheidung!
Kopf oder Adler, Wappen, Kranz? Was überhaupt
ist drauf auf dem Euro? Hab immer geglaubt
ich weiss Alles. Wie's auch sei, ich werfe.
Eine Fee oder Prinzessin? Bei diesem Generve?
In Verkleidung?

Und was nun?
Was drauf war, spielt gar keine Rolle mehr.
Er ist weg, der Euro. Verschwunden. Und daher
würde das Geld zwei, drei Querstrassen weiter
auch nicht mehr reichen. Trotz Schleim und Eiter:
Ich muss es tun!

Na gut, ich muss!
Erwartet die jetzt was richtig ausgefeiltes,
oder reicht's auch, wenn sie merkt, mich eilt es,
das schnellstmöglich hinter mich zu bringen?
Leute, ich kann wirklich ein Liedchen singen
vom Krötenkuss.

Wie ekelhaft!
Schmeckt wie total vergammeltes Katzenfutter
in gegorenem Lebertran oder ranziger Butter.
Das war's jetzt aber! Sie hockt da, immer noch.
Es passiert nichts, überhaupt gar nichts, und doch:
Hab's geschafft.

Kein Knall!
Kein Gong, kein Flimmern. Nicht mal ein kleines Blinken.
Ich könnte auf der Stelle in der Erde versinken!
Wie blöd muss man eigentlich sein, so was zu tun?
Plötzlich seh' ich doch was glitzern, unter den Schuh'n.
Nur ein Zufall?

Da unten!
Ich heb ihn auf, und er ist's wirklich, ja!
Könnte schwören, eben lag er noch nicht da!
Ich komm' wieder hoch, bin richtig erschrocken:
Auf dem Automat seh' ich kein Mistvieh mehr hocken,
einfach verschwunden!

Einen Wunsch noch?
Das Geld wieder da, und die Kröte auf dem Mond -
zwei Wünsche erfüllt! Bin sowas nicht gewohnt.
Ich zittre sogar, als ich den Geldschlitz anpeile.
Der Automat brummt und rasselt 'ne ganze Weile,
dann kommen sie doch!

Über den Rasen.
Ich nehme die Abkürzung durch den kleinen Park.
Na ja, was mich nicht umbringt, macht eben stark.
Und während ich mir endlich eine Fluppe auspacke,
spür' ich im Mundwinkel, da an der rechten Backe
Herpesblasen.








Ich weiß nicht was soll es bedeuten
daß ich so traurig bin;
die vergangenen guten Zeiten
sind dir ziemlich weit aus dem Sinn.

Kühl ist's, denn du verdunkelst
meinen inneren Sonnenschein.
Wie du mich wieder anfunkelst,
als wär' ich das letzte Schwein!

Die schöne Frau, die da sitzet,
kann mich wohl nicht mehr leiden,
und wie sie mich böse anblitzet,
sagt sie: "Ich laß' mich scheiden."

Dabei kämmt sie sich ganz gelassen
ihr hennagefärbtes Haar,
ich kann's überhaupt nicht mehr fassen,
wir war'n doch ein tolles Paar!

Wir sitzen im selben Boot,
wir könnten das alles umschiffen!
Aber ich sehe, die Liebe ist tot,
Du hast sie zurückgepfiffen.

Auf der Stelle mich umzubringen,
ich hätt' Lust und den Mut dazu.
Aber vorher will ich dir noch singen:
Schuld, Lore, bist du, nur du!








Fische
Gehören Sie zu den stummen Fischen?
Geh'n Sie heut' Abend mal einen zischen!
Geh'n Sie auf keinen Fall vor zwölf nach Haus -
das halten Sie nämlich sonst nicht aus!

Krebs
Sind sie vielleicht doch eher ein Krebs?
Dann brauchen Sie Glück - Gott nehm's, Gott geb's.
Sie brauchen davon aber eine ganze Menge -
sonst tritt man Sie später platt im Gedränge!

Jungfrau
Gehören Sie etwa zum Jungfraun-Geschlecht?
Dann machen Sie's heut' bitte jedem Recht!
Unbeliebt sind sie sowieso schon bei allen,
denen Sie täglich auf die Nerven fallen.

Schütze
Sind Sie vielleicht sogar ein Schütze?
Dann gibt's heut richtig was auf die Mütze!
Und wenn ich mal so ganz ehrlich bin:
Sie haben's verdient - es macht sogar Sinn!

Löwe
Auch nicht, na gut. Vom Löwengestirn?
Nicht auf die Mütze - direkt auf's Hirn.
Ich weiss, das Leben ist hundsgemein,
aber wenn's Sie trifft, kann's kein Fehler sein!

Stier
Sieh da! Sie sind ein gehörnter Stier?
Sie Ärmster, Sie haben ja Pech hoch Vier!
Ach Quatsch, das war nur als Spaß zu verstehn:
Heute erwartet Sie Unglück hoch Zehn!

Widder
Ein Widder? Macht auch keinen Unterschied,
Ihnen wird, wenn man's optimistisch sieht,
heut' nur der Blinddarm in die Lunge wachsen.
Ach ja, Leber und Milz machen auch noch Faxen!

Steinbock
So so, von der Sorte 'Steinerner Bock'?
Kriegen Sie bitte nicht gleich einen Schock!
Den können Sie sich für den Abend aufheben -
aber dafür wird's dann das Trauma für's Leben!

Waage
Besonders schlecht sind auch für eine Waage
die Prognosen: Es droht schiefste Lage
in allen Dingen des Lebens, der Liebe:
Zahnschmerz und Durchfall, Ärger und Hiebe!

Zwilling
Ein Zwilling kann doch immer alles teilen,
und dieses Schicksal wird auch Sie ereilen:
Ihr Besitz wird heute zur Hälfte schrumpfen,
und auf fünfzig Prozent der Geist abstumpfen!

Skorpion
Zehn. Wer fehlt noch? Ach so: Das Skorpion!
Na ja, was los ist, das denkst du dir schon:
Besser, deine Mutter hätte damals, halb Acht
nicht diesen Annäherungsversuch gemacht!

Ungläubige
Und Ihnen, die Sie nicht an Horoskope glauben,
möchte ich auch gleich die Illusionen rauben:
Falsche Entscheidungen und dümmstes Handeln
werden Ihr Dasein in ein Desaster verwandeln!

Wassermann
Etwas anders ist die Lage beim Wassermann:
Der Geist aus der Flasche tut, was er kann!
Zum Ende des Tages - meine Sehnsucht wird wahr,
bin ich reich und schön und ein Megastar!








Wenn morgens im Büro Frau Meier zu mir sagt:
"Herr Schulz, ihr Hosenlatz steht offen!",
so werd' ich rot und fühle mich betroffen,
den ganzen Tag spür' ich dann, wie es an mir nagt.

Es knabbert kleine Löcher in die Seele mir,
ich brauche ein Ventil, doch das muss warten.
Ein Unkraut wächst in meines Geistes Garten,
ein Riesenbusch ist's schon so gegen Vier.

Dann endlich Feierabend, ich bin frei!
Der Abendhimmel wird schon etwas bunter,
und unentwegt schau ich an mir herunter,
ob er denn wirklich noch geschlossen sei.

Ich stehe unter Druck, jetzt muss es raus,
ich spüre das Verlangen, mich zu rächen.
Ich möchte schreien, nicht nur drüber sprechen,
und suche mir dafür die Abendsonne aus.

Ich schrei sie an, beschimpfe sie unflätig,
keine Beleidigung ist mir dabei zu billig.
Die Sonne schweigt, hört zu, ist willig,
lässt sich's gefallen und verharrt untätig.

Da, schau! Der Abendhimmel wird schon rötlich!
Es wirkt! Ich schreie, bis die Wut erlischt.
Der Ärger strömt aus mir wie Brandungsgischt,
die letzten Sätze waren Gift und Galle tödlich.

Da hängt sie nun, dicht über'm Tannenwipfel,
ein tiefes, sattes Rot - genau wie ich heut' früh.
Und während ich mein allerletztes Gift versprüh,
vergess' ich das mit meinem freigelegten Zipfel.








Nachts im Traum seh' ich dunkle Gestalten,
die bedroh'n mich mit scharfen Bügelfalten.
Sie werfen mit Aktenkoffern nach mir
und vertreiben mich aus dem Jagdrevier.

Da drüben sind welche, die wedeln mit Scheinen,
Komm' ich näher, werden sie zu Schweinen,
und das Geld wird zu faulem Stroh und Heu.
Entferne ich mich, sieht's wieder aus wie neu.

Aus der Schwärze schält sich eine hohe Kante,
Oben drauf liegt Kleidung von einer Tante.
Zu hoch! Ich merk', daß ich umso mehr schrumpfe,
je mehr ich mich recke nach diesem Strumpfe.

Und schließlich steh' ich am Vermittelmeer.
Ich schreibe und schreibe und frage mich: Wer
wird wohl antworten auf die Flaschen-Briefe?
Ich wühle nach Korken in meiner Taschen Tiefe.

Ich finde nichts, und so bleibt alles offen,
Kaum geworfen, sind sie schon abgesoffen.
Dann wache ich auf, bin ungemein heiter,
denn ich weiß: Das geht jetzt so weiter.







Wohin das Auge blickt, nur Kram,
nicht grad' ein optischer Genuß.
Weiß kaum, woher das alles kam,
weiß nur, das es jetzt weg muß.

So manches wandert in den Müll,
zu viel, um's weiter zu verwalten.
Doch diese blaue Lampe aus Acryl,
die möchte ich ja doch behalten.

Wohin damit? Ich weiß es nicht.
Ich halt' sie in der Hand und denke,
als plötzlich eine Stimme spricht:
Mein Gebieter! Herr! Ich schenke

drei Wünsche dir, und zwar sofort!
Moment mal, sag mir auf der Stelle,
kauft' ich dich denn nicht dort
in diesem Laden auf die Schnelle?

Genau, bei **** war's, im Mai,
Klingt's aus der blauen Lampenschal'.
Und damit ist ein Wunsch vorbei,
Zwei hast du noch zur Wahl!

Ach, sag mal, du da im Gehäuse drin
- kann kaum die Lampen-Fassung wahren -
bist du denn wirklich so ein Dschinn,
von Tausenden von Jahren?

Ein Dschinn bin ich, ja richtig,
das war schon Frage Nummer zwei.
Wie alt, ist doch nicht wichtig,
da ist auch Datenschutz dabei...

Nee, nee, mein Lieber, höre,
du ziehst dich aus der Schlinge!
Na gut, na gut, ich schwöre,
wie ich sie seh', die Dinge,

wurd' ich erst kürzlich hergestellt
in einem Lampenwerk in Polen.
Und wenn dir das jetzt nicht gefällt,
soll mich der Teufel holen!

Ok, ich glaub dir, du bist neu,
ein junger Spund, fabrikneu sozusagen.
Worauf ich mich jetzt trotzdem freu':
Einmal kann ich dich jetzt noch fragen.

Kannst du jetzt bitte unverzüglich
den ganzen Müll verschwinden lassen?
Na klar! Der Dschinn grinst sehr vergnüglich.
Es fliegen Teppiche und Tassen

und Schränke, Betten, Sofakissen
durch's Fenster raus zum Horizont.
Der Dschinn kämpft wirklich sehr verbissen
an dieser Auf- und Abräumfront.

Die ganze Bude völlig leergesogen,
kahl wie ein rosa Geierkragen -
als wäre ich soeben eingezogen,
Kartons und Möbel noch im Wagen.

Und auch die Lampe aus Acryl
verschwindet zügig in der Ferne.
Er ist zwar weg, der ganze Müll,
doch würde ich jetzt doch ganz gerne

mich setzen und all das verdauen.
Kein Stuhl, kein Sofa, keine Bank,
ich muss mich auf den Boden hauen
und fühle mich nun etwas krank.

Was ist das, was ich da so plötzlich
mit meiner linken Hand ertaste?
Ach, wie fühl' ich mich ergötzlich,
ich kenne dieses Stückchen Plaste!

Das also hat man mir gelassen,
aus marktwirtschaftlichem Kalkül!
Das ist doch einfach nicht zu fassen!
Und trotzdem kommt mir das Gefühl,

dass ich jetzt wider meinen Willen
mir Möbel und so weiter kaufen muss
um den geschaffenen Bedarf zu stillen.
(Das war der Schluss!)