










|
|
Am Samstag, nächsten Monat, bald, in Kürze,
im Frühjahr, Winter, übernächstes Jahr,
dann werden endlich alle Träume wahr!
Das Warten ist des Lebens saure Würze.
Sobald der Kugeln Stillstand eingetreten,
die Zahlen hier und dort sich alle gleichen,
wird altes Elend frischem Reichtum weichen,
dann werde ich entlohnt für's lange Beten.
Doch vorher, kann mir die Stochastik sagen,
(Ich rechne: Neundundvierzig über Sechs.
Du fiese Monsterzahl! Bin ganz perplex!)
muss ich noch siebenhundert Kinder kriegen,
noch neun Milliarden Kilometer fliegen,
und werd' noch zwei, drei Mal vom Blitz erschlagen.
Bei Allem, was man macht im Leben,
beim Scheine zählen, Scheite spalten,
muß man sich ziemlich Mühe geben -
wie gut, lässt man da Sorgfalt walten.
Denn Pfusch vermindert und entstellt
den Wert der allerbesten Dinge:
zu schnell fehlt sonst ein Teil vom Geld,
vielleicht auch gleich der halbe Finge!
Jawohl, bei Finger fehlt ein 'r' -
und das hat seinen Grund, mein Herr:
Für's Dichten gilt dies Alles nicht.
Da kann man Fünfe grad' sein lassen,
Was nicht paßt, macht man eben passen.
Jetzt fehlt ein 'd' - was kümmert's micht!
Neulich sprach ich zu Hause zum Dreck:
"Du, Alter, mach dich vom Teppich weg!"
Doch dieser zeigte (man ahnt es schon!)
auch dieses Mal wieder *null* Reaktion.
Da liegt er nun rum und fühlt sich mächtig,
vermehrt sich wie permanent mehrfachträchtig,
macht sich dick und breit, gönnt mir keine Schonung
und annektiert nach und nach meine ganze Wohnung.
Und wenn ich dann mal nicht so richtig schau,
dann lacht er mich aus, das weiß ich genau,
hämisch-gemein aus seiner sicheren Ecke.
Ich fühl mich so machtlos, kann es kaum glauben:
er will mich meines Obdachs berauben!
Bringst vielleicht Du ihn bitte zur Strecke?
Zuerst ein Rinnsal, still im Grase fließend,
den Weg sich suchend durch der Wiesen Grund.
Dann sich versammelnd, breiter werdend und
zum Schluß sich dann in einen Bach ergießend.
Mit Plätschern durch den Wald sich windet
der kleine Fluß, gen Westen ziehend,
kraftvoll jetzt von der Quelle fliehend.
Dem Nebenstrom er sich verbindet,
um sich zu einem See zu stauen,
wo Ingenieure eine Mauer bauen:
Stimmt Wasserkraft die Menschen froh?
Der Anstaudruck wird unerträglich,
Es drückt mich was, das ist unsäglich:
Ich halt's nicht aus, ich muß auf's Klo!
Das weiche Licht des Monds erhellt die Szene kaum,
die Vögel schweigen schon, nur eine Amsel singt noch.
Sie legt vertrauend ihre Hand - "Hör nur, das klingt doch..."
in seine. "... ach so wunderbar, fast wie ein Traum!"
Man lässt sich nieder zwischen flüsternden Zypressen,
das Gras ist sanft, es lädt zum Ruhen, Schweigen, Lieben ein.
"Ach Liebster, lass uns jetzt nur noch wir beide sein,
und Sorgen, Ärger und die ganze Welt vergessen!"
Sie legt die Decke aus, schafft ein behagliches Zuhause,
Der Mond - diskret - verschwindet hinter einer Buche.
"Moment mal," sagt er zögernd, "denn ich suche..."
"Ach, was denn suchst du?" - "Nun, mein Telefon!"
Die Nacht wird kälter, denn sie merkt es schon:
Er träumt, wie meistens, von der Kneipensause.
Zum Abendessen gab's gebrat'ne Ente. "Ganz vorzüglich!",
dazu ein Gläschen - und dann noch eins von dem Portwein.
Man hört Musik, erzählt was, und man ist vergnüglich,
schaut in den Atlas: "Ach wie gerne würd' ich dort sein!"
Jetzt wird das Licht gedämpft, intimer wird die Sach',
denn schließlich war das Abendessen nur für zwei.
Vom Tisch zieht man sich nun zurück ins Schlafgemach
und macht sich gegenseitig so ein bißchen frei.
Die Hände, zärtlich, suchend, wandern auf und nieder.
Das Spiel der Liebe, man spielt's gern und immer wieder!
Am Bein entlang, am Hals, und schließlich auch am Rücken -
es tritt ein Stillstand ein. "Ich hab' was entdeckt!"
Er ahnt es schon: Nur das - nichts andres - hatte sie bezweckt!
Ein Pickel! - "Licht an! Ich muss da jetzt drücken!"
Das unbestimmte Nichts. Nur eine tiefe Schwärze,
wie wenn noch nie ein Strahl der Sonne dich ereilte.
Kein noch so kleines Licht von einer fernen Kerze -
Mir scheint, dass ich im Land jenseits des Styx verweilte.
Kein Laut, kein Hauch! So wie vor dräuenden Gewittern
die Tiere sich zurückzieh'n aus dem frischen Leben.
Es ist, als ob nicht mal die schlanken Pappeln zittern,
die Stille will uns beide in ein weisses Laken weben!
Du sprichst nicht mehr mit mir, mein treuer Wegbegleiter,
und sehen kann ich auch nichts. Wie geht das jetzt weiter?
Was habe ich bloss diesmal wieder falsch gemacht?
Bist du beleidigt? Oder war's heut Nacht zu viel des Guten?
Du fährst nicht hoch, willst einfach nicht mehr booten?
Ach so! Der Stecker! Hab' wieder nicht daran gedacht.
Kannst du nicht endlich lächeln wie die Mona Lisa?
Es soll'n doch, so im Rahmen der Gegebenheiten -
Jetzt stehst du wie der schiefe Turm von Pisa!
gute Porträts entstehen, echte Kostbarkeiten!
Du hockst da wie die Sphinx von Abu Simbel!
Kannst du denn nicht ein bisschen locker sein -
schau nicht gehetzt, du bist nicht Richard Kimble!
Los jetzt! Nun sei schon super-sexy-baby-mine!
Mach' ich denn Bilder hier von einer blöden Weidekuh?
Du treibst mich an den Rand des gelben Wahninns, du!
Jetzt zeig doch endlich Lächeln, Stil und Wärme!
Willst du mich in's berufliche Verderben stürzen?
Nun mach schon, sonst werd' ich dir deine Gage kürzen!
Huch! -- Wie kommt die Schere denn in mein Gedärme?
Die grüne Flasche ward vor vielen Jahren
fest verschlossen, um drinnen zu verwahren
einen alten Geist. So alt wie Menschendenken,
wollt' man in dieser Flasche ihn versenken!
Wie lange lag die Flasche dann im Steinverlies?
Der Geist verhielt sich still und wies
sich selber an, Geduld und Ruhe zu bewahren.
Manchmal wär' er gern aus der Haut gefahren.
Doch dann veränderten sich viele Dinge,
Die Flasche kam in den Besitz von Inge!
Mein Gott, wie macht mich das jetzt froh!
Denn diese bringt mir jene Flasche als Präsent:
Ich öffne sie alsbald, und meine Nase kennt
den Namen dieses Geists, der aufsteigt: Ein Merlot!
|
|